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#weiblicheVerfügbarkeit #MentalLoad #CareArbeit #emotionaleArbeit #feministischeAnalyse #DieErschpfungderFrauen
Dies sind die Erkenntnisse aus diesem Buch.
Erstens, Weibliche Verfügbarkeit als gesellschaftliches Grundmuster, Ein zentrales Thema ist die Idee der weiblichen Verfügbarkeit, also die Erwartung, dass Frauen ansprechbar, zuständig und flexibel zu sein haben. Das zeigt sich im Privaten, wenn sie als emotionale Anlaufstelle gelten, Konflikte moderieren, Geburtstage planen oder Familienkontakte pflegen. Es zeigt sich aber auch in der Öffentlichkeit, etwa wenn Servicebereitschaft, Freundlichkeit und Rücksicht als weibliche Tugenden gelten und Abgrenzung schneller als unfreundlich bewertet wird. Schutzbach ordnet diese Dynamik nicht als Einzelfall, sondern als kulturelles Skript ein, das Frauen zu einem Reservoir an Zeit, Aufmerksamkeit und Fürsorge macht. Dadurch wird Erschöpfung erklärbar: Sie entsteht nicht nur durch zu viele Aufgaben, sondern durch die ständige Bereitschaft, Bedürfnisse anderer mitzudenken und die eigene Verfügbarkeit zu managen. Das Buch macht sichtbar, wie diese Normen über Erziehung, Medienbilder und soziale Sanktionen weitergegeben werden. Wer sich entzieht, riskiert Schuldgefühle oder soziale Strafen. Die Analyse hilft, dieses Muster zu erkennen und als veränderbar zu begreifen.
Zweitens, Mental Load und unsichtbare Arbeit in Alltag und Beziehung, Das Buch legt dar, dass viele Belastungen nicht aus sichtbaren Tätigkeiten bestehen, sondern aus Planung, Koordination und ständiger gedanklicher Präsenz. Dieser Mental Load umfasst das Vorausdenken von Terminen, das Erinnern an Bedürfnisse anderer, das Abwägen von Risiken und das Organisieren des Familien- und Beziehungsalltags. Häufig wird diese Arbeit weder als Arbeit benannt noch gerecht verteilt, weil sie im Hintergrund stattfindet und als natürliche Kompetenz von Frauen missverstanden wird. Schutzbach zeigt, wie sich dadurch ein Kreislauf bildet: Wer mehr im Blick hat, übernimmt automatisch mehr, wird darin geübter und gilt dann als die Person, die es am besten kann. Das stabilisiert Ungleichheit, ohne dass jemand explizit entscheiden muss. Auch in Partnerschaften, die sich als modern verstehen, kann diese Schieflage bestehen, weil Gleichberechtigung oft nur auf bezahlte Arbeit bezogen wird, nicht auf die alltägliche Reproduktionsarbeit. Die Stärke des Themas liegt darin, die unsichtbaren Ebenen zu benennen und ihre Auswirkungen auf Erholung, Gesundheit und Selbstbild zu verdeutlichen.
Drittens, Emotionale Arbeit, Harmoniepflicht und die Kosten der Anpassung, Ein weiteres wichtiges Feld ist die emotionale Arbeit, die Frauen in vielen Kontexten leisten: Stimmungen lesen, Spannungen entschärfen, Anerkennung geben, Gespräche anstoßen, sich kümmern, damit es anderen gut geht. Schutzbach beschreibt, wie stark diese Leistungen mit einer Harmoniepflicht verbunden sein können. Frauen lernen oft früh, dass Zugehörigkeit und Anerkennung davon abhängen, ob sie angenehm, verständnisvoll und konfliktarm auftreten. Daraus kann eine dauerhafte Anpassungsleistung entstehen, die kaum Pausen kennt. Erschöpfung entsteht dann nicht nur durch äußere Aufgaben, sondern durch das ständige Regulieren von Gefühlen, das Dämpfen eigener Bedürfnisse und das Vermeiden von Konflikten. Das Thema wird auch politisch: Wenn emotionale Arbeit als privat gilt, bleibt unsichtbar, wie sie soziale Systeme stabilisiert, etwa Familienstrukturen oder Arbeitskulturen, in denen Frauen viel Beziehungsarbeit übernehmen. Schutzbach arbeitet heraus, dass Abgrenzung und das Benennen von Bedürfnissen nicht Egoismus sind, sondern notwendige Schritte, um Verantwortung gerechter zu verteilen. Damit eröffnet das Buch eine Sprache für Erfahrungen, die viele kennen, aber selten klar beschreiben.
Viertens, Arbeitswelt, Leistungsideale und doppelte Erwartungen, Das Buch betrachtet auch die Arbeitswelt als Ort, an dem weibliche Verfügbarkeit verwertet wird. Neben fachlicher Leistung werden oft Eigenschaften erwartet, die als weiblich codiert sind: Teamharmonie, Fürsorge, Kommunikationsarbeit, das Abfedern von Konflikten. Diese Zusatzaufgaben fließen nicht immer in Bewertungssysteme ein, kosten aber Energie und Zeit. Gleichzeitig wirken Leistungsideale der Selbstoptimierung: erfolgreich sein, gesund bleiben, attraktiv erscheinen, alles im Griff haben. Für viele Frauen entsteht so ein doppelter Druck aus Erwerbsarbeit und Care-Verantwortung, verstärkt durch prekäre Bedingungen, Teilzeitfallen oder mangelnde Anerkennung von Sorgearbeit. Schutzbach zeigt, dass Erschöpfung auch dort entsteht, wo Gleichstellung formal gegeben scheint, aber die Struktur des Alltags weiterhin auf eine Person im Hintergrund baut, die alles zusammenhält. Das Thema lädt dazu ein, nicht nur individuelle Strategien zu suchen, sondern über Arbeitskulturen, Zeitpolitik und gerechte Verteilung nachzudenken. So wird deutlich, dass Entlastung mehr braucht als gutes Zeitmanagement, nämlich veränderte Erwartungen an Produktivität und Verantwortlichkeit.
Schließlich, Grenzen setzen, Solidarität und neue Modelle des Zusammenlebens, Neben der Diagnose entwickelt das Buch eine Perspektive auf Veränderung: Wie lässt sich weibliche Verfügbarkeit begrenzen, ohne in neue Schuldgefühle zu rutschen. Schutzbach betont die Bedeutung von Grenzen, also dem Recht, nicht zuständig zu sein, nicht immer erreichbar zu sein und Bedürfnisse nicht zu rechtfertigen. Dabei geht es weniger um einfache Selbsthilfe-Rezepte als um das Zusammenspiel von persönlicher Praxis und politischem Bewusstsein. Entlastung wird als kollektive Aufgabe sichtbar: in Partnerschaften durch klare Zuständigkeiten, in Familien durch Anerkennung von Care-Arbeit, in Freundschaften durch gegenseitige Rücksicht, und gesellschaftlich durch Rahmenbedingungen wie bessere Kinderbetreuung, faire Arbeitszeiten und Anerkennung von Sorgearbeit. Wichtig ist auch Solidarität unter Frauen, die sich nicht in Konkurrenz um Anerkennung und Perfektion aufreiben sollte. Das Buch ermutigt dazu, den eigenen Wert nicht an Verfügbarkeit zu knüpfen, sondern an Selbstbestimmung. Damit öffnet es den Blick für neue Modelle des Zusammenlebens, in denen Fürsorge geteilt wird und in denen Abgrenzung nicht als Mangel, sondern als Voraussetzung für gerechte Beziehungen gilt.